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    Vorlesegeschichte für Klein und Groß von Susi Menzel

    "Der Wettlauf der Regenwürmer"
    Regenwurm von Susi Menzel

    Oli und Leonie waren mächtig stolz darauf, Regenwürmer zu sein. Sie waren in der Tat prächtige Exemplare ihrer Gattung: jung, kräftig und abenteuerlustig.

    Regenwürmer leben in der Erde. Sie können nicht hören und fast nichts sehen, was für Lebewesen, die in der Erde leben, ganz normal ist.

    Etwas können sie jedoch sehr gut, sie spüren die Vibrationen von anderen Tieren, die in der Erde leben und auf der Erde laufen.

    Und - sie können wahnsinnig schuften. Sie fressen sich permanent durch die Erde, lockern diese dadurch auf, damit die Pflanzen, die sie auch selber fressen, besser wachsen können.

    Manchmal verspüren sie den Wunsch, ihre Kräfte zu messen. Das ist die Zeit, in der der "Tag des Regenwurms" ausgerufen und ein Wettrennen veranstaltet wird.

     

    Oli glitt schnell durch die große Erdröhre. Er war sehr aufgeregt. Leonie wartete schon an der Kreuzung. Sie mussten sich beeilen. Es hatte geregnet und dadurch war die Hauptverkehrsröhre etwas eingefallen. Das passierte des Öfteren, aber die Erde war weich und so war es für die beiden leicht, hindurch zu kommen.

    Gerade rechtzeitig kamen sie auf der Wettkampf-Wiese an. Sie schlängelten sich zum Startplatz. Die Eröffnungsrede hatte schon angefangen.

    "... ihr Regenwürmer vom nordischen Gartenland. Gleich geht es los. Das erste Rennen ist das der 9 - 10 cm langen Regenwürmer. Jeweils zwei Regenwürmer bilden ein Team und buddeln in einer Tiefe von 30 cm. Ihr legt einen halben Meter unterirdisch zurück, kommt dann wieder hoch auf die Wiese, und rennt den letzten halben Meter durch das Gras. Das schnellste Team gewinnt. Es müssen beide Team-Mitglieder ankommen. Viel Glück für alle! Und buddelt, was das Zeug hält."

    Oli und Leonie gehörten zu der ersten Kategorie. Sie gingen zum Startplatz, um ihre Startnummer zu ziehen. Dort herrschte ein riesiges Gewusel. Alle kletterten über- und untereinander her. Aber letztlich hatten die über fünfzig Teilnehmer ihre Startpositionen auf dem ihnen zugewiesenen Feld eingenommen. Das Startzeichen wurde gegeben.

    Leonie verschwand als erste im Loch und buddelte mit ihrem spitzen Kopf in Richtung des Pfeils, der unten angebracht war. Sie musste die Röhre etwas größer buddeln, sodass Oli über sie hinweg kriechen konnte, wenn er die Führung übernahm. Oli und Leonie hatten das in den letzten Wochen viele Male trainiert. Regenwürmer sind zwar kräftig, aber über eine so weite Distanz mussten sie sich mit der Führung abwechseln. Außerdem war Leonies Orientierungssinn nicht ganz so gut ausgeprägt. Oli musste einige Male die Richtung korrigieren.

    Anfangs kamen sie gut voran. Die Erde war weich und feucht. Auf der Hälfte der Strecke trafen sie auf ein sehr breites Wurzelgeflecht, an dem sie nicht weiterkamen. Sie mussten darunter her buddeln. Die tiefere Erdschicht war viel härter und deshalb sie brauchten viel Kraft, um weiterzukommen. Gerade als Leonie meinte, dass sie dringend eine Pause machen müssten, gab es einen Ruck und Leonie war weg. Oli schaute fassungslos auf das Loch vor ihm, als sich auch unter ihm die Erde bewegte und ihn mit herunterzog.

    Sie fanden sich beide in einem sehr großen Gang wieder. Panisch buddelten sie sich in die heruntergefallene Erde ein und warteten ab. Nach einiger Zeit steckten sie die Köpfe aus der Erde und guckten sich um. Sie waren in einem Maulwurfsgang gelandet. Und das war leider sehr gefährlich für Regenwürmer. Mucksmäuschenstill warteten sie eine Weile ab, bevor sie beschlossen, weiter zu laufen, als sie die Vibrationen in der Erde spürten! Vor Angst erstarrt, blieben sie sitzen. Sie konnten nicht genau orten, woher die Vibrationen kamen und wie weit sie entfernt waren.

    Sie fanden sich beide in einem sehr großen Gang wieder. Panisch buddelten sie sich in die heruntergefallene Erde ein und warteten ab. Nach einiger Zeit steckten sie die Köpfe aus der Erde und guckten sich um. Sie waren in einem Maulwurfsgang gelandet. Und das war leider sehr gefährlich für Regenwürmer. Mucksmäuschenstill warteten sie eine Weile ab, bevor sie beschlossen, weiter zu laufen, als sie die Vibrationen in der Erde spürten! Vor Angst erstarrt, blieben sie sitzen. Sie konnten nicht genau orten, woher die Vibrationen kamen und wie weit sie entfernt waren.

    Der verirrte Wurm war sehr wütend, weil er die Orientierung verloren hatte und er in die falsche Richtung gelaufen war. Außerdem hatte er seinen Teamkameraden verloren. Er half den beiden zwar, wanderte aber selber entnervt direkt nach oben. Ohne seinen Teamkollegen hatte er gar keine Chance auf eine Platzierung in dem Wettkampf.

    Oli und Leonie beschlossen, weiter zu machen, obwohl auch sie viel Zeit verloren hatten. Irgendwann hatten sie ihre unterirdische Wettkampfstrecke geschafft und sie buddelten sich nach oben auf die Wiese. Dort angekommen, schlängelten sie, so schnell sie konnten, auf das Ziel zu.

    Durch die Verzögerung in dem Maulwurfsgang hatten sie zwar keine Chance mehr auf den Sieg, aber mit ihrem 10. Platz waren sie dennoch sehr zufrieden.

    Wie hatte noch der Redner in seiner Abschlussrede gesagt? Letztendlich ging es darum, in diesem Teil des Gartens die Erde so aufzulockern, dass die Pflanzen gut wachsen konnten, damit die Regenwürmer den ganzen Sommer gut zu fressen hatten.

    Das bestätigten ihnen auch ihre Eltern - und die waren sehr stolz auf ihren Nachwuchs.


    Regenwürmer buddeln sich vorwärts
    Foto: Susi Menzel
    Regenwürmer in Erde
    Regenwürmer
    Foto: Susi Menzel
    Regenwürmer in Erde
    Regenwürmer
    Foto: Susi Menzel
    Regenwürmer in Erde
    Regenwürmer
    Foto: Susi Menzel