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    Dies ist mein Beitrag zum Osterspecial 2021 des Autoren Adventskalenders
    Lies mal wieder:

    Eine Geschichte von Susi Menzel

    "Der Osterhase in Not"

    Das Kaninchen Hugo ist zum Osterhasen gewählt worden, was ihm gar nicht recht ist, denn es gibt etwas, von dem niemand weiß, das es ihm jedoch nicht ermöglicht, die Ostereier an die Menschen auszuliefern. Können die Kaninchen Barkley und Flocke helfen, Ostern zu retten?
    Eine Vorlesegeschichte zu Ostern.

    Barkley war ein alter Hase. Das heißt, eigentlich war er ein Kaninchen, genauer gesagt ein Zwergkaninchen, allerdings konnte ein kleines Kaninchen in Sachen Lebenserfahrung auch ein alter Hase sein, wenn man denn so alt wie Barkley war. Mit seinen neun Jahren war er bereits ein recht betagter Herr, der mit seinem ergrauten Fell aussah wie ein zerstreuter Professor. Er war der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt in der kleinen Kaninchenfamilie.

    Die Damen waren nicht so ganz überzeugt von seinen Führungsqualitäten. Sie liebten ihren Barkley über alles, aber er hatte ein zu weiches Herz und konnte sich nie richtig durchsetzen. Allerdings hatte er die Gabe, sich stundenlang die V erwicklungen und Missgeschicke von anderen anzuhören und Ratschläge geben zu können. Manchmal dauerte das Auseinandertüfteln des Problems stunden- oder gar tagelang. In der Zeit hätte Barkley natürlich sowieso keine Zeit für das Chefsein gehabt und deshalb war es gut, dass Flocke die Geschicke der Gruppe lenkte. Sie hatte täglich dafür zu sorgen, dass sich die Damen Liesel, Marie, Gretel und Betty ordentlich benahmen und sich ihre Streitigkeiten, die es fast jeden Tag gab, in Grenzen hielten. Im Zusammenleben gab es bei Kaninchen ebensolche Schwierigkeiten wie bei den Menschen. Immer wollte der eine unbedingt etwas haben, was ein anderer hatte, was derjenige, obwohl er es nicht brauchte, aber auf keinen Fall hergeben wollte – und das nur deshalb, weil es der andere eben haben wollte, wodurch das Etwas wertvoll und begehrt wurde und es sich offenbar lohnte, darum zu kämpfen. So musste Flocke oft hart durchgreifen, um den Frieden in der Gruppe zu erhalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass Barkley dachte, er hätte das vollbracht.

    Im Frühling waren alle froh, dass das Grün draußen wieder wuchs und sie somit mehr und mehr auf das Trockenfutter verzichten konnten. Nur Barkley schien das dieses Jahr nicht so recht wahrzunehmen. Er wirkte nachdenklich und war sehr fahrig. Flocke machte sich schon Sorgen, ob es vielleicht sein hohes Alter war, das ihm zu schaffen machte, bis sie dahinterkam, dass der Osterhase der Grund dafür war. Und dem hatte er auch noch hoch und heilig versprochen, auf gar keinen Fall mit wirklich niemandem darüber zu sprechen. Nun kam es sowieso nur selten vor, dass Barkley mit Flocke über eine im Vertrauen erzählte Geschichte sprach, aber wenn, dann auch nur, weil er viel Wert auf ihre Meinung legte. Also musste es bei dem Osterhasen etwas sehr viel Schwerwiegenderes als sonst sein, dass er schon so lange über das Problem nachdachte, zu keinem Ergebnis kam und dann noch nicht einmal mit ihr darüber redete.

    Hugo war zum neuen Osterhasen gewählt worden. Er war der Auserwählte, weil er die Eier wirklich wunderschön bemalte. Nicht nur die mit Mustern und niedlichen Zeichnungen, nein, auch die normalen ein- und zweifarbigen Eier wurden von ihm so perfekt bemalt, dass niemand mit ihm mithalten konnte. Was jedoch niemand wusste, war, dass er große Angst hatte, außerhalb der Kaninchen-Kolonie herumzulaufen. Und das war eine Katastrophe, denn als Osterhase musste man durch die ganze Welt reisen und die Eier bei den Menschen verteilen, die Ostern feierten. Nun muss man zur Entschuldigung des Kaninchens sagen, dass er sich mit allen vier Pfoten gegen die Wahl gewehrt hatte, aber es gab zwei Gründe, warum er es doch geworden war: Erstens war er der beste Ostereierbemaler und zweitens gab es niemand anderen, der nominiert worden war. Er war der Einzige, der keine Familie hatte und nicht krank war. Zudem hatte er „Ja“ gesagt, als ihn jemand von der Seite gefragt hatte, ob er die Uhrzeit wisse. Und das hatten dann alle auf die Frage, ob er die Wahl annehmen wolle, bezogen. Da hatte der arme Kerl wirklich Pech gehabt. Blöd war nur, dass jetzt nicht nur er, sondern eben auch die Menschen Pech hatten. Ein Osterhase, der gut malen konnte, war eine gute Voraussetzung für den Job, aber wenn diese Eier nicht ausgeliefert werden konnten, dann war Ostern in Gefahr. Mit genau diesem Problem war er nun zu Barkley gekommen. Und der wusste zum ersten Mal keinen Rat.

    Barkley hatte im Laufe der Gespräche herausgefunden, warum er nicht auf unbekannte Wege gehen wollte. Hugo war kurzsichtig und jemand hatte ihm seine Brille geklaut, als er sie zum Ohrenputzen abgesetzt hatte. Ostereier konnte er bemalen, denn in der Nähe konnte er einigermaßen ohne Brille sehen. Es ging langsamer, aber es ging. Für die Ferne hatte er zwar eine Brille, aber das war eine von seinem Großvater, die jedoch ganz andere Werte hatte. Mit ihr konnte Hugo zwar besser als ohne sehen, aber eben immer noch schlecht. Deshalb stolperte er ständig über irgendetwas und blieb möglichst innerhalb eines kleinen Umkreises des Baus, wo alles an seinem Platz stand. Die anderen Kaninchen waren bisher auch nie darauf gekommen, dass Hugo kurzsichtig sein könnte, weil er zu Hause so souverän herumhoppelte. Und gesagt hatte es auch niemandem, weil wer sich ein wenig über sein Missgeschick schämte. Aber beim Austragen der Eier an Ostern war das schon ein richtig großes Problem, denn obwohl er als Osterhase am Ostertag den Zauber des schnellen weltweiten Eierversteckens bekam, musste er dennoch die Hausnummern von weitem erkennen, was mit Großvaters Brille nicht möglich war.

    Flocke hatte das Gespräch zufällig mit angehört. Während die Männer verzweifelt über die offensichtlich unmögliche Neuanschaffung einer Hasenbrille bis Ostern diskutierten, überlegte sie, wie sie helfen konnte, denn Ostern kam näher und näher. Sie beschloss, dass es nur eine Möglichkeit gäbe: Das Geheimnis des Osterhasen musste gelüftet und der Dieb der Brille gefunden werden. Es ging immerhin um Ostern und um die Ehre der Kaninchen, die traditionell den Osterhasen stellten und die dadurch viele Vorteile bei den Menschen hatten.

    Flocke war wohl sehr überzeugend und/oder Hugo so verzweifelt, sodass er zähneknirschend sein Einverständnis für die Einleitung einer offiziellen Suche gab. Und so wurde folgende Suchmeldung in die Tierwelt geschickt:
    Achtung, Ostern ist in Gefahr! Jemand hat die Brille des Osterhasen geklaut, ohne die er die Eier nicht austragen kann. Wer hat etwas gesehen? Wem ist in den letzten Tagen etwas Ungewöhnliches aufgefallen? Sachdienliche Hinweise an Flocke bei Barkley. Dort kann man sich auch eine Zeichnung von einer Brille anschauen.
    Die Kaninchenfrauen nutzten ihre Netzwerke, um die Nachricht in Windeseile zu verbreiten. Einige Tage lang kamen Hinweise von gefundenen Teilen. Es waren jedoch meistens Brillen, Schmuck und Geld von Menschen und manch anderes s eltsames Zeug, aber leider war keine Hasenbrille dabei.

    Die Zeit des Wartens auf Hinweise nutzten die Kaninchen, um Eier zu bemalen, denn durch die ganze Aufregung wegen des Diebstahls, hatte Hugo ganz vergessen, den bewährten Osterhasenhelfern Bescheid zu sagen, wann sie mit dem Bemalen in der Ostereierwerkstatt anfangen sollten. Selbst die wirklich guten Eierbemaler würden die verlorene Zeit nicht mehr aufholen können.

    Dennoch schwand ganz langsam die Hoffnung, dass Ostern gerettet werden konnte. Die Vorstellung der enttäuschten Gesichter der Menschen verfolgten sie und alle waren sehr traurig. Natürlich war Hugo am traurigsten. Er schämte sich sehr, weil er als Osterhase versagen würde. Barkley versuchte sein Bestes, um den armen Hugo zu trösten und sein Selbstbewusstsein zu stärken, aber der war nur noch ein zitterndes Nervenbündel, das nicht einmal mehr Eier bemalen konnte. Zwar hatte er sich vorgenommen, es wenigstens zu versuchen, die Eier auszutragen. Auch wenn er einige Menschen enttäuschen müsste, könnte er doch die meisten erfreuen. Allerdings konnte sich niemand vorstellen, wie dieses Kaninchen derzeit auch nur ein einziges Ei in ein Haus bringen könnte.

    Am Ostersamstagnachmittag, als schon alle die Hoffnung aufgegeben hatten, dass das Wunder geschehen und die Brille auftauchen würde, kam eine Elster zu Barkleys Bau. Sie schaute sich die Zeichnung von Hugos Brille genau an und flog wieder fort. Kurze Zeit später kam sie zusammen mit einer anderen Elster zurück, die etwas im Schnabel hatte. „Lass sie fallen!“, krächzte sie laut und stupste die andere Elster immer wieder in die Seite, bis sie den Schnabel öffnete und das Ding herunterfiel. Hugo schrie: „Meine Brille!“ Er raste los und fing sie, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Er setzte sie auf und endlich sah er wieder klar. Er schaute die beiden Elstern an. Die eine entschuldigte sich zähneknirschend. Sie hatte sie stibitzt, weil sie so schön blitzte. Bis heute h atte sie nicht gewusst, dass es die Osterhasenbrille war, die alle Tiere so intensiv suchten. Laut krächzend flogen sie beide weg. Erst als sie ihren neuen ungewöhnlichen Schatz der anderen Elster zeigte, kam die auf die Idee, dass es sich um die gesuchte Osterhasenbrille handeln könnte. Hugo war indes so glücklich, dass er sogar seine Angst vor fremden Wegen vergaß und am nächsten Tag seine Aufgabe als Osterhase wunderbar erledigte. Zwar war er etwas langsamer als seine Vorgänger, aber jeder Mensch bekam letztlich die bunten Ostereier, auf die er sich freute.

    Als er erschöpft, aber glücklich zurückgekommen war, feierten auch die Kaninchen ein Fest. Ein Buffett mit dem frischesten Grün des Frühlings war aufgebaut worden. Und so mümmelten und hoppelten sie fröhlich herum und freuten sich gemeinsam des Lebens…

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    Kaninchen Barkley
    Kaninchen Barkley
    Foto: Lea Sofie Albers
    Kaninchen Barkley und Flocke
    Kaninchen Barkley und Flocke
    Foto: Lea Sofie Albers
    Elstern
    Die Elstern
    Foto: Susi Menzel
    Osterahse mit Brille
    Osterhase Hugo
    Foto: Lea Sofie Albers