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    Vorlesegeschichte für Klein und Groß von Susi Menzel

    "Die Schildkröte Yolanthe und der Turm"


    Schildkröte vor Turm von Susi Menzel

    Die Sonne hatte schon wieder Kraft, erwärmte die Luft und die frostige Erde. Die Tage blieben länger hell, die ersten Pflanzen wuchsen hellgrün aus dunkler Erde, und sprießten vorwitzig durch die dicken Laubschichten, die sich im Herbst schützend um Bäume und Büsche verteilt hatten. Es war Frühling! Genau das war die Zeit, in der Yolanthe aufwachte.
    Es wurde Zeit aufzustehen und sich das erste Fressen nach dem Winterschlaf zu suchen. Sie hatte aber auch einen ordentlichen Hunger!
    Yolanthe befreite sich aus ihrem Laubhaufen, der sie im Winter so gut geschützt hatte. Natürlich war sie nach einem so langen Schlaf noch ein wenig steif, aber je wärmer es wurde, desto besser gehorchten ihre Beine.
    Yolanthe war eine Landschildkröte, gehörte somit zur Familie der Reptilien. Als sogenanntes wechselwarmes Tier schlief sie bei kalten Temperaturen im Winter und, wenn die Sonne sie wärmte, funktionierte ihr Organismus, sodass sie wieder laufen und fressen konnte.
    Das frühe Grün des Frühlings lockte sie sehr und so stapfte sie los. Sehen und riechen konnte sie sehr gut. Allerdings konnte sie, wie alle Schildkröten, fast nichts hören. Und so entging es ihr, dass sich hinter ihr eine Gruppe Menschen an einem eigenartigen Turm versammelten.

    Während Yolanthe genüsslich das saftige Grün fraß, stelle sie fest, dass das leichte Grummeln nicht mehr allein durch ihren Magen verursacht wurde. Sie drehte sich um und sah, dass die Menschen an dem Turm große Löcher gruben. Das Graben erschütterte die Erde, und diese leichten Schallgeräusche vernahm Yolanthe sehr wohl.
    Von ihrem warmen, sonnigen Platz aus, betrachtete sie das Treiben der Menschen eine ganze Weile lang. Gegen Abend verschwanden die Menschen und Yolanthe wurde sehr müde.
    Da die Nächte noch sehr kalt wurden, krabbelte Yolanthe wieder unter ihren Laubhaufen und schlief satt und zufrieden ein.

    Am nächsten Morgen waren die Menschen wieder da. Sie gestikulierten, zeigten hier hin und dort hin. Nach einiger Zeit kamen immer mehr Menschen. Es wurden Zäune aufgestellt. Was das wohl alles sollte? Die Menschen machten zwar oft seltsame Dinge, aber so etwas?

    Das schienen auch die Tiere, die in unmittelbarer Nähe des Turms wohnten, zu denken. Sie traten fluchtartig den Rückzug an. Die Mäuse, Eidechsen, Igel und wilde Katzen rannten an Yolanthe vorbei, und versuchten ihr etwas zu sagen. Aber Yolanthe konnte ja nicht richtig hören und verstand daher nicht, was sie sagten. Vorsichtshalber zog auch sie sich zurück. Allerdings kam sie nur bis zu einem Zaun. Ihr fester Panzer passte einfach nicht durch ihn hindurch. Plötzlich flogen Vögel erschreckt auf. Sekunden nachdem Yolanthe die Schallwellen einer Tröte wahrgenommen hatte, passierte es.
    Der Turm fiel um! Der große Holzkasten, der oben auf dem Metallgestänge thronte, brach auseinander. Das Holz und das Metall flogen durch die Gegend. Die Schallwellen der Explosion kamen bei Yolanthe etwas später an. Anders als die der anderen Tiere, nahmen ihre innen liegenden Ohren andere Wellen wahr. Und die waren so heftig, dass Yolanthe dachte, sie platzt. Instinktiv zog sie sich in ihren Panzer zurück, worin die Wellen aber noch schlimmer zu spüren waren. Sofort streckte sie ihr Beine und den Kopf wieder hinaus und wollte flüchten. Ihr Kopf dröhnte jedoch so stark, dass sie die Orientierung verlor und schnurstracks in Richtung Turm rannte. Das war ihr Glück, denn die Schallwellen entfernten sich ja vom Turm weg.
    Erst nach geraumer Zeit konnte Yolanthe wieder normal sehen und riechen. Sie roch verschmortes Eisen und Holz.

    Kurze Zeit später waren die meisten Menschen wieder verschwunden. Nur einige, wenige suchten die Trümmerteile zusammen. Abends war alles fast wieder normal. Aber nur fast, denn einige Tiere hatten ihre Nester und ihre Bauten verloren, die durch die Explosion zerstört worden waren.
    Yolanthe knabberte nachdenklich an frischem Grünzeug. Wie traurig war es für die armen Tiere, die umziehen mussten.
    Sie freute sich, dass sie in ihrem Revier bleiben konnte, aber wer weiß, was sich die Menschen demnächst ausdachten. Und wer weiß, vielleicht war sie die nächste…


    PS: Dies ist eine fast wahre Geschichte. Der Wasserturm in Minden-Meißen wurde 2014 gesprengt. Ich erinnerte mich an eine Schildkröte, die in einem Garten neben der Bushaltestelle in der Nähe des Wasserturms lebte, bei der ich immer auf den Schulbus wartete. Und ich fragte mich, wie sie das wohl erlebt hat. Wer weiß, vielleicht lebt sie immer noch…?