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    Susi Menzel   
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    Tel: 0571 - 388 11 14   
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    Lies mal wieder:

    Eine Geschichte von Susi Menzel

    "Sally und Blöbbelböpp"

    Während Rehkitz Sally im hohen Gras auf ihre Mutter wartet, bekommt sie Besuch von einem blauschimmernden Etwas, nämlich der Libelle Blöbbelböpp. Beide erleben ihr erstes Gewitter und erkennen, wie unterschiedlich ihre Welten sind...

    Rehkitz im Wald

    Foto: Wildes Auetal, Marc Rehberg
    Vielen Dank für die Genehmigung, dieses wundervolle Foto für die Geschichte nutzen zu dürfen :-)


    "Sally und Blöbbelböpp"
    Sally drückte sich fest in das hohe Gras. Sie hatte ein Geräusch gehört und verhielt sich so wie sich ein Reh zu verhalten hatte. Sie rollte sich allerdings noch weiter als normal zusammen, denn ein eigenartiges, ihr völlig unbekanntes Brummen kam näher. Ein Wesen mit vier Flügeln und blauschillerndem, langem Hinterleib setzte sich ausgerechnet auf ihre Nase. Die Flügel erzeugten beim Schlagen einen Luftzug, der ihr genau in die Nasenlöcher wehte, weshalb sie niesen musste. "Haaaatschiiiii!" Sally bewegte ihren Kopf dabei ruckartig nach vorne und schrie gleich danach auf. Das Wesen hatte seine nicht gerade kleinen Füße in ihre Haut gekrallt und das tat ihr weh.

    Sie guckte schielend auf das Ding auf ihrer Nase. Einige zigtausend Augen guckten überrascht zurück.
    "Wer bist du denn?", rief Sally ängstlich, aber auch sehr neugierig.
    "Ich bin Blöbbelböpp", sagte das Etwas stolz. Dabei schnarrte sein Körper dermaßen, dass Sally wieder niesen musste.
    Und dieses Mal konnte sich Blöbbelblubb oder Blübbelblblabbb, oder wie auch immer das bunte Ding heißen mochte, nicht mehr richtig festhalten. Sallys Kopf ging durch das Niesen wieder ruckartig nach vorne. Das Ding flog durch die Luft, erwischte einen Grashalm, der durch den Aufprall unkontrolliert hin und herschlug, weshalb es sich nur mit Mühe festkrallen konnte.

    "Nein, du hast meine Nase gekitzelt und dann muss jedes Reh niesen!"
    "Ach so, du bist ein Reh, das wusste ich nicht."
    "Was bist du denn? So etwas wie dich habe ich auch noch nie gesehen." "Ich bin eine Libelle und ich heiße Blöbbelböpp." Während er seinen Namen aussprach fing der Halm an, zu beben und Blöbbelböpp schwankte wieder bedenklich mit ihm hin und her. Sally lachte lauthals. Es sah aber auch zu komisch aus, wie er mit seinen vier Flügeln herumruderte und ihm dabei sein langer Hinterleib tanzend folgte. Das brachte ihn jedoch immer wieder aus dem Gleichgewicht und er drohte herunterzufallen. Manches Mal konnte er sich gerade noch mit einem seiner sechs Beine festhalten. Gleichzeitig wollte er aber auch etwas sagen. Durch das Zittern des Halmes mussten wohl seine knöchernen Lippen ebenfalls ins Zittern geraten sein, denn statt richtiger Worte kamen lauter 'bl'-Laute heraus: "Iblatlibebblieberblatöppich..." Sally konnte sich vor Lachen kaum halten. Und jedes Mal, wenn sie nach Luft schnappte, war er in Gefahr eingesaugt zu werden. "Sei froh, dass ich Vegetarierin bin, sonst hätte ich dich längst gefressen, so wie du da am Halm hängst und nicht wegfliegst", rief Sally atemlos.

    "Also ich würde dich schon fressen", antwortete Blöbbelböpp hitzig, "aber es ist heute so schwül, dass ich zu müde dazu bin."
    "Meinst du nicht, dass ich ein bisschen zu groß für dich bin?", antwortete Sally amüsiert und angelte mit ihrer langen, feuchten Zunge nach der Libelle. Die winkte den Hinweis jedoch nur großkotzig mit einem "Ach was!" ab. Und dann schnellte er blitzschnell vor, zwickte in Sallys Zunge und flog ebenso blitzschnell zurück auf seinen Halm. Vor Schreck verschluckte sie sich und fing an, schrecklich zu husten. Jetzt lachte Blöbbelböpp aus vollem Hals. Sally schaute ihn wütend an und stampfte mit ihrem Vorderfuß auf. In dem Moment rollte ein gewaltiger Donnerknall durch die Luft. Beide gucken sich erschreckt an. Sally konnte ja nicht so sonderlich gut sehen und so schrie sie die Libelle hysterisch an: "Was ist los? Du hast doch so viele Augen. Kannst du was erkennen?"
    Dabei drückte sie sich wieder ganz flach in das Gras. Blöbbelböpp war vorsichtshalber hinter Sallys Ohr geflüchtet. Dort krallte er sich ängstlich fest. Das wiederum kitzelte Sally so sehr, dass sie sich schütteln musste und dabei besonders ihren Kopf heftig hin und her schleuderte. Um nicht noch einmal unkontrolliert abgeschüttelt zu werden, musste sich Blöbbelböpp noch mehr festkrallen und er nahm sogar seine spitzen Zähne zu Hilfe.

    In dem Moment erhellte ein Blitz den Himmel. Hinter dem Gebüsch rechts von ihnen konnten sie plötzlich ein großes, braunes Reh sehen, das suchend den Kopf hochreckte. Sally sprang auf und rief mit hoher Quiekestimme: "Mama, ich bin hier!" Als Antwort ertönte eine tiefe, bellende Stimme: "Sally, komm hierher. Hier ist es sicherer!" Dann donnerte es wieder so gewaltig, dass man nichts mehr verstehen konnte. Sally rannte panisch los und Blöbbelböpp blieb nichts anderes übrig, als am Ohr festgekrallt mitzulaufen. Er war selbst ein ausgezeichneter Flieger, aber er hatte sich noch nie so weit ohne sein eigenes Zutun beweg.t Während Sally mit Hochgeschwindigkeit zu ihrer Mutter rannte, hatte er eine Höllenangst.

    Mutter Reh schleckte ihre Tochter ab und erwischte dabei mit ihrer rauen, nassen Zunge den schlotternden Blöbbelböpp. Angewidert spuckte sie ihn sofort aus. Er konnte sich gar nicht so schnell fangen. Seine Flügel gehorchten ihm nicht richtig, weil sie von der Spucke feucht und verklebt waren und so stürzte er schnarrend zu Boden. Gerade wollte die Ricke mit ihrem Fuß vernichtend auf ihn drauf stampfen, als sich Sally dazwischen warf: "Neeeiin, Mama, das ist doch Blöbbelblöpp. Er ist mein Freund!" Das erstaunte Mutter Reh ebenso wie Blöbbelböpp, der sich statt einer Antwort oder dem Dank für seine Rettung lieber beeilte, seine Flügel zu trocknen. Das dauerte jedoch länger, denn es ging nicht ohne sein lautes Schimpfen über diese schreckliche Behandlung vor sich. Außerdem beobachtete er mit seinen fast dreißigtausend Augen beständig die Hufe von Mutter Reh. Sally bemerkte das. Sie streckte ihren Kopf herunter und ließ Blöbbelböpp aufsteigen. Es war gut gemeint, ihn zum Trocknen in die Höhe zu holen. Aber es folgte ein neuer lauter Donner und danach fing es an, heftig zu regnen.

    Blöbbelbopp schimpfte noch lauter als vorher: "Setz mich sofort unter ein Blatt! Ich sehe nichts mehr! Der Regen fällt mir direkt in die Augen!" Sally konnte sich das gut vorstellen, dass das bei der unglaublich hohen Anzahl von Augen ein echtes Problem war, aber sie konnte im Moment nichts für ihn tun, denn sie wurde von ihrer Mutter tiefer in den Wald hinein gescheucht. "Wir müssen uns Schutz suchen, komm, schnell!"

    Blöbbelböpp konnte sich gerade noch so festkrallen, als es auch schon losging. Sally und ihre Mutter sprangen in wahnsinniger Geschwindigkeit von Busch zu Busch, bis sie abrupt stehen blieben. Ein weiterer Blitz erhellte das Stück Himmel, das durch die Baumspitzen gerade noch so zu erkennen war. Mutter Reh duckte sich und stupste Sally in einen Busch unter einer alten Eiche. Sie befahl ihr, sich sofort ganz flach hinzulegen und sich eng einzurollen. Sally gehorchte widerstandslos und ihre Mutter legte sich Kopf an Kopf daneben.

    Sie hörten dem prasselnden Regen zu, der von Blöbbelböpps Schimpfkanonaden begleitet wurden. In Ermangelung von Augenlidern, musste er seine Beine nehmen, die er wie Scheibenwischer einsetzte, um seine zigtausend Augen wasserfrei zu bekommen. Schließlich kuschelte er sich schutzsuchend an Sallys Ohr an, die versuchte, es ruhig zu halten. Das war gar nicht so einfach, denn Rehe müssen zu ihrem eigenen Schutz permanent die Ohren in alle Richtungen drehen, um gefährliche Geräusche rechtzeitig genug für eine Flucht wahrnehmen zu können.
    Und dann brach das Gewitter richtig los! Es stand jetzt genau über ihnen, was sie daran merkten, dass Blitz und Donner ziemlich gleichzeitig kamen.

    Der Regen ergoss sich fast sintflutartig vom Himmel herab. Und obwohl Mutter Reh eine gut geschützte Stelle gewählt hatte, wurden sie doch nass und ziemlich dreckig. Der Regen platschte schwer herunter und spritzte die trockene Erde in vielen kleinen Matschtropfen in die Höhe auf die Blätterunterseiten und eben auch auf das Fell der Rehe. Blöbbelböpp hatte Glück, er bekam auf seinem erhöhten Platz kaum etwas ab.
    Schon nach wenigen Minuten hörte es wieder auf zu regnen und das Gewitter zog langsam weiter.

    Sally traute sich ihren Kopf hochzuheben und mit zitternder Stimme zu fragen: "Mama, was war das denn?"
    "Das war ein Gewitter", antwortet Mutter Reh zögerlich. Dabei schaute sie Sally an. Allerdings nicht in ihre Augen, sondern sie guckte etwas höher. Und Sally merkte, wie ihre Mutter immer nervöser wurde. Sie schien aufstehen zu wollen, denn ihre Vorderbeine zuckten. Aber sie traute sich scheinbar nicht. Und dann flüsterte sie: "Dein Freund starrt mich unentwegt an. Das ist so unheimlich! Ist er vielleicht doch gefährlich?"

    "Natürlich bin ich gefährlich!", schrie Blöbbelböpp, um dann leiser hinzufügen, "Na ja gut, nur für Insekten, aber dennoch..."
    Mutter Reh lachte. "Aber warum starrst du mich so an?"
    "Ach das passiert mir ständig. Meine Augen sind nicht beweglich und deshalb ich fixiere mein Gegenüber. Alles, was selber kein Insekt ist, findet das scheinbar furchterregend, obwohl ich einfach nur freundlich gucke." Blöbbelböpp drehte seinen großen Kopf hin und her, während er seine ebenso mächtigen Beißwerkzeuge mit seinen Beinen putzte.

    "Es sieht so aus, als wolltest du angreifen. Du stierst einen an", meinte Mutter Reh nicht ganz so überzeugt von seinen guten Absichten. Immerhin hatte sie gesehen, wie er mit Genuss einen Rosenkäfer verspeist hatte. Und der war im Verhältnis zu Blöbbelböpps Größe gar nicht mal so klein wie man vermuten sollte. Zudem waren Rehen alle fleischfressenden Lebewesen unheimlich.
    Sally lachte ihre Mutter aus: "Er ist doch so klein. Da wird er uns wohl nicht schaden."
    Mutter Reh wiegte nachdenklich ihren Kopf. "Ich weiß nicht recht...", murmelte sie. In dem Moment hob Blöbbelböpp seinen Kopf und starrte nicht mehr Mutter Reh an, sondern guckte an ihr vorbei. Sie war darüber wirklich erleichtert. Erst jetzt hörte sie ein Flirren und ein Knacken. Als sie sich nach dem Geräusch umdrehte, sah sie einen blauen Blitz schnurstracks in Richtung Blöbbelböpp fliegen. "Das ist mein Revier! Hau ab, duuuu, du Einbrecher!", schimpfte der glitzernde Blitz, der sich ebenfalls als eine Libelle wie Blöbbelböpp eine war, entpuppte.

    Er stürzte sich auf Blöbbelböpp, der aufflog, eine Runde drehte und von dort aus auf die angreifende Libelle zuflog: "Entschuldige, ich bin sozusagen entführt worden", rief er, aber der Angreifer hörte nicht zu, sondern schob seine Beißwerkzeuge ganz nach vorne und zielte auf Blöbbelböpps Augen. Der flog rückwärts und entwischte den messerscharfen Zangen. Er wurde sehr wütend und er versuchte den Platzherrn ebenfalls zu beißen. Dabei flatterten sie immer weiter von Sally und ihrer Mutter weg. Der Kampf ging so lange, bis Blöbbelböpp dem Angreifer ein Bein abgebissen und der deshalb die Flucht ergriffen hatte.
    Stolz flog Blöbbelböpp umher. "Ich habe gewonnen!", schrie er immer wieder und klopfte sich mit allen sechs Beinen auf die geschwollene Brust, um dann im Wald zu verschwinden. Sally war froh darüber, dass er den Kampf gewonnen hatte, aber sie schaute ihrem Freund erstaunt und ein wenig wehmütig nach. Sie war traurig darüber, dass er sie scheinbar so schnell vergessen hatte und er sie ohne einen Gruß oder eine Abschiedsgeste verlassen hatte.


    Mutter Reh tröstete sie, aber nur ein wenig, denn sie nahm den Kampf der Libellen zum Anlass, Sally über Revierkämpfe aufzuklären, die auch ihr schon bald bevorstehen würden.
    "Jedes Reh hat sein Revier, in dem es lieber allein lebt", erklärte Mutter Reh. Sally staunte darüber, denn sie konnte es sich nicht vorstellen, ohne ihre Mutter zu sein. Obwohl sie viele Stunden des Tages allein war, wusste sie, dass ihre Mutter meistens in der Nähe war. Und das sollte bald nicht mehr so sein? Welch schreckliche Vorstellung. Sally schüttelte sich ängstlich, sprang aber dann übermütig um ihre Mutter herum.
    "Das andere kommt ja erst später. Heute genieße ich unser Zusammensein in vollen Zügen!", rief sie ihre Mutter zu und wedelte fröhlich mit ihrem Stummelschwanz und ihren Ohren.